Der Mythos vom keltischen Baumkreis

Der Mythos vom keltischen Baumkreis

Oktober 2, 2019 0 Von bauadmin

Die Kelten waren den Mächten der Natur und ihrem Aberglauben ausgeliefert. Entsprechend wurden bestimmten Umweltereignissen wie der Sonnenwende oder den Zeitgleichen mit bestimmten Ritualen begegnet. Diese Bräuche haben eine lange Tradition, denn mit dem Erscheinen der Kelten in Mitteleuropa drang der heidnische Glaube tief in das Bewusstsein der europäischen Bevölkerung ein.

Heidnisches Gedankengut hatte seinen Ursprung in der Natur. Die Kelten lebten relativ einfach als Halbnomaden in einfachen Behausungen. Einige Spuren ihrer Sprachen sind teilweise bis heute glücklicherweise an den Küsten von Schottland und Irland erhalten geblieben, wobei das irische Gälische Hauptamtssprache Irlands ist. Die gemeinsame keltischen Sprache spaltete sich in den inselkeltischen und festlandkeltischen Zweig auf.
Organisiert in kleinen Stämmen waren die Kelten lediglich ein Verbund von kleinen Königreichen, die darauf achteten, ihre Grenzen gegen alle Eindringlinge zu verteidigen.


Entsprechend dieser kleinteiligen Lebensweise waren Riten, Lebewesen und Orte Inspiration für den Aberglauben. Über 200 Götter waren unter den Kelten bekannt. Es waren Götter, denen sich die Menschen scheinbar freiwillig opferten. In Mooren wurden komplett erhaltene Leichen geborgen. So wurden rituelle Hinrichtungen durch Kreuzigung oder Pfeil und Bogen durchgeführt.

Keltischer Baumkreis Hoppstädten-Weiersbach - Copyrght LordAlert @ stock.adobe.com
Keltischer Baumkreis Hoppstädten-Weiersbach – Copyrght LordAlert @ stock.adobe.com

Der Baumkreis im Roman


Für ein Baumhoroskop finden sich keine Quellen; die ersten Spuren finden sich in dem Roman „The White Godess“ aus dem Jahr 1948, welches in deutscher Übersetzung als „Die weiße Göttin“ im Jahr 1981 erschienen ist. Hier erstellte der britische Schriftsteller Robert Graves eine zum Teil eigene etymologische Zuordnung von keltischen Schriftzeichen zu bestimmten Bäumen; eine erdachte Konstruktion eines keltischen Baumkalenders. Weitere Quellen zu der heute bekannten Form des Baumhoroskops finden sich in einer Artikelreihe der französischen Journalistin Paula Delsol. Sie veröffentlichte mehrere Horoskop-Systeme im Auftrag des Magazins „Marie Claire“, die auf älteren Kulturen basieren sollen. Hier findet man die „Horoscopes Gauloises“, die offenbar auf Robert Graves Roman und den dort erwähnten keltischen Baumhoroskopen basieren.

Im Zuge des Neopaganismus (Neuheidentum) stehen früh- und mittelalterliche Kulturen im Fokus. In vielen Regionen werden im Rahmen von traditionellen Festen, mittelalterlich organisierten Zusammenkünften und Spektakel die Sitten und Gewohnheiten gepflegt und erhalten. Im Zusammenhang mit den Traditionen sind viele Interessengruppen entstanden, die sich mit der Geschichte und den Traditionen beschäftigen, die sie dann auch häufig nachempfinden und nacherleben.

Baumkreise in Deutschland

Auch der Baumkreis hat im Erholungs- und Freizeitbereich Einzug gefunden und wurde an einigen Orten angelegt. So findet man zum Beispiel in Gnutz einen vom Baumschulmeister Dieter Rohwer angelegten Baumkreis. Interessierten Gruppen werden hier im Rahmen von Führungen der Baumkreis und die Deutungen aus dem Horoskop vermittelt. Weitere Baumkreise befinden sich Deutschland in Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen), Stamsried (Bayern), in Hoppstädten-Weiersbach (Rheinland-Pfalz) sowie Achern-Oberachern und Wald (Baden-Württemberg); in Österreich unter anderem in Gundersdorf, Weng im Gesäuse und Sankt Stefan ob Stainz (alle Steiermark), Pyhra, Frankenfels, Hoheneich und Kettlasbrunn (alle Niederösterreich), Ampflwang (Oberösterreich), bei Schloss Eberstein (Kärnten) sowie in Vils (Tirol).